14/12/2020

Episode 7 – Franz Mittermair

Der berühmte Mythologe Joseph Campbell hat in Sagen, Märchen und Religionen universelle Muster und Grundtypen von Helden entdeckt, die sich weltweit in allen Kulturen wiederfinden. In seinem sogenannten „Monomythos“ hat er die Quintessenz extrahiert, eine einheitliche Grundstruktur einer jeden Reise, die jemand antritt, um heldenhaft zurück nach Hause kommen zu können. Sie beginnt mit dem Ruf zum Abenteuer, dem Aufbruch. Darauf folgt die Begegnung mit einem Mentor und Gefährten, bald kommt die erste Prüfung, die Entscheidungsschlacht und letztendlich die Rückkehr.

Paul Rebillot´s gestalttherapeutisch orientiertes Gruppenseminar, die Heldenreise folgt diesen uralten Heldenmythen und ist gleichzeitig Selbstverwirklichung und Reifeprozess.

Altes muss sterben damit neues entstehen kann

In diesem Interview spreche ich mit Franz Mittermair über seine Arbeit Menschen auf ihrer Heldenreise zu begleiten und wie wichtig es ist, dass Menschen irgendwann auf diesem Entwicklungsweg auch ihre Schattenseiten betrachten, sie akzeptieren und vielleicht sogar lieben lernen.

Franz Mittermair ist Diplompädagoge, Gestalttherapeut, Buchautor, Seminarleiter, Ausbilder und Vater von vier Kindern. Er begleitet seit vielen Jahren Menschen auf ihrem Weg der Selbsterfahrung und Persönlichkeitsentwicklung. Darüber hinaus unterstützt er Pädagogen, Psychologen, Therapeuten, Trainer und Coaches in ihrer beruflichen Entfaltung.

Wir sprechen auch über Emotionen als einen natürlichen Ausdruck des Organismus, um ein inneres Gleichgewicht wieder herzustellen. In diesem Zusammenhang unterhalten wir uns über unsere oft negativen Erfahrungen mit Aggressionen und weshalb sie in seinen Seminaren einen natürlichen Ausdruck bekommen dürfen.

Weiter erläutert Franz Mittermair eindrücklich wie uns unsere Projektionen am Anfang von unseren Beziehungen zwar helfen, uns zu finden und uns zu verlieben, aber irgendwann auch zwischen uns stehen und echte Kommunikation und Verbindung verhindern können. Er beschreibt konkret, wie er durch Übungen die Klarheit hier fördert.

In diesem leichten und humorvollen Interview gibt uns Franz Mittermair noch eine Kostprobe seiner musikalischen Begabung.

Webseite Institut Gestalt und Erfahrung

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Die Gestalttherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, das sich weniger an dem traditionellen medizinischen Krankheitsmodell und festgelegten Normen davon orientiert, also daran, was als „gesund” und „krank” gilt. Auch wird in der Gestalttherapie das Verhältnis von Therapeut und Klient als eines definiert, in dem Therapeuten Begleiter und Unterstützer sind und die Klienten die Experten ihrer selbst. Darum sprechen Gestalttherapeuten auch nicht von „Patienten” sondern von „Klienten“; wichtig ist ihr die Vielseitigkeit von Menschen und deren Vorstellungen davon, wie sie mit anderen Menschen und der Welt insgesamt in Kontakt sein und sich dadurch individuell entwickeln wollen.

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Robert Bly wurde 1926 in einer Familie mit norwegischem Hintergrund in Minnesota geboren. 1968 gewann er den National Book Award. Das Preisgeld stiftete er der 1966 gegründeten Antikriegsbewegung „American Writers Against the Vietnam War“, deren Mitbegründer er war. Während der 1970er Jahre publizierte Bly elf Bände mit Lyrik, Essays und Übersetzungen. Weitere Publikationen folgten in den kommenden Jahren. Seitdem veröffentlichte er eine Vielzahl von Gedichtbänden, Übersetzungen und Essays.

Bekannt wurde er auch durch sein Buch „Eisenhans: Ein Buch über Männer“, mit dem er zum Protagonisten der mythopoetischen Männerbewegung wurde.

In diesem Buch analysiert er das gleichnamige Märchen der Gebrüder Grimm und zeigt Wege für Männer im Umgang mit ihrer Männlichkeit auf. Bereits einleitend distanziert sich Bly von der Interpretation, es sei seine Absicht, „Männer wieder zu den herrischen Verhaltensweisen anzuhalten, die zu einer jahrhundertelangen Unterdrückung der Frauen und ihrer weiblichen Werte geführt haben.“ In der Beschäftigung mit alten Mythen sucht Bly nach männlichen Archetypen, die er als notwendige Wesensbestandteile einer balancierten Männlichkeit ansieht. Bly betont die Wichtigkeit männlicher Bezugspersonen für heranwachsende Jungen und sieht in der vaterlosen Gesellschaft eines der zentralen gesellschaftlichen Probleme. Robert Bly leitet Seminare für Männer, zusammen mit seiner Frau gibt er Workshops für Europäische Märchen.

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Sonnentanz und Schwitzhütte: Das Ritual des Sonnentanzes gilt als wichtigstes, höchstes und „heiligstes“ von sieben Zeremonien einiger nordamerikanischer indigenen Völker, insbesondere der Lakota. Es birgt größte Komplexität und Symbolhaftigkeit in sich. Am Abend vor dem Beginn der viertägigen Zeremonie wird ein „cottonwood“-Baum in ritueller Art und Weise gefällt. Man entfernt alle Zweige außer an der Spitze welche als Sitz des Geistes des Baumes angesehen wird.

Die Pflanze, die den „Great Tree of Life“ repräsentiert, wird in der Mitte des Sonnentanz-Platzes aufgestellt. Tabakopfer, bunte Stoffstreifen und andere Gegenstände werden am Baum befestigt. Der Platz ist in der Form eines Kreises angelegt, wobei die Ostseite offen bleibt. An dieser Stelle kommen später die Tänzer und Tänzerinnen herein. Der Höhepunkt dieser Zeremonie liegt im sogenannten „Piercing“, d.h. die Haut wird bei Männern an Brust oder Rücken durchbohrt und mit dünnen Seilen mit dem Lebensbaum verbunden. Während des Tanzes und in tiefster spiritueller Einkehr, reißen sich die Tänzer und Tänzerinnen los.

Die Schwitzhütte ist eine weitere dieser sieben Zeremonien in der durch im Feuer erhitzte Steine mit Wasser übergossen werden. Hier kommen Menschen zusammen, um in Andacht zu beten und um sich zu reinigen. Die Schwitzhütte ist ein aus Weidenstöcken gebautes rundes Zelt, in dem sich in der Mitte eine kleine Grube befindet, die als Bauch bzw. Uterus von „Mutter Erde“ oder des ganzen Universums betrachtet wird.

Vor diesem Hintergrund wird das Ritual als symbolisches Erleben von Tod und Wiedergeburt interpretiert. Die Hütte steht für die Erde, die Feuerstelle für die Sonne, die heißen Steine die Samen und der Altar, der vor der Hütte aufgebaut wird, repräsentiert unter anderem den Mond.

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Zen ist eine in China ab etwa dem 5. Jahrhundert entstandene Linie des Mahayana-Buddhismus, die wesentlich vom Daoismus beeinflusst wurde.

Der Begriff „Zen“ leitet sich vom Sanskrit ab und bedeutet so viel wie „Versenkung“. Dies verweist auf das grundlegende Charakteristikum dieser buddhistischen Strömung, die Meditation.

Die Praxis besteht zum einen aus Zazen (von jap.: Za- [sitzen]; Zen- [Versenkung]), dem Sitzen in Versunkenheit auf einem Kissen. Ein anderer, ebenso wichtiger Teil der Zen-Praxis besteht aus der Konzentration auf den Alltag. Dies bedeutet, dass man sich auf die Aktivität, die man gerade in diesem Augenblick ausübt, vollkommen konzentriert, ohne dabei irgendwelchen Gedanken nachzugehen.

Beide Übungen ergänzen einander und sind dazu gedacht, den Geist zu beruhigen bzw. die „Gedankenflut“, welche einen durchgehend überkommt, einzudämmen.